Einige persönliche Gedanken und Erfahrungen

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, lieber Helferinnen und Helfer, liebe Freunde,

die Katastrophe an der Ahr – sie hat uns alle wie eine Welle überrannt. Viele von uns sind zutiefst betroffen, einige mussten diese Katastrophe erleben und bis heute (er)tragen. Relativ unmittelbar nach dem Unvorstellbaren haben wir uns in Stahlhofen aufgemacht, um im Ahrtal unsere Hilfe und Unterstützung zu ermöglichen. Dabei wurde uns durch eine gebürtige „Ahrtalerin“, die heute in Stahlhofen lebt, der Kontakt zu ihren Familienangehörigen und Freunden ermöglicht.

Mit über 90 Personen haben wir gemeinsam eine „Soforthilfe“ ins Leben gerufen, ganz unbürokratisch und schnell. Uns allen war und ist es wichtig direkt, schnell und unkompliziert unterstützen zu können. Ich bin unendlich dankbar und zutiefst berührt, dass so viele liebe Menschen sich in der Hilfe engagieren und einbringen. Jeder so wie er kann. Das ist gut und richtig – jeder nach seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Wir haben uns 7 Familien/ Hausständen angenommen, denen wir gerne als Freunde und Helfer zur Seite stehen möchten und werden.

Bei der Arbeit im Ahrtal haben wir ganz viele neue und wirklich tolle Menschen kennen gelernt. Dabei sind Existenzen bedroht, die Heimat zerstört und oft scheint es nahezu ohne Perspektive. Doch alle, alle fassen an, packen an und gehen gemeinsam in die Zukunft. Der Weg zu einer „neuen Normalität“ ist dabei noch enorm lang und schwierig.

Nach nunmehr 4 Wochen möchte ich an dieser Stelle ein kleines „Zwischenfazit“ ziehen, einige persönliche Gedanken äußern, meinen Dank zum Ausdruck bringen und herzlich bitten, auch weiterhin aktiv dabei zu sein!

Am Sonntag, 08.08.21 nutze ich die Zeit im Ahrtal, um mehrere unserer Freunde und Familien zu besuchen. Dabei war mir das gemeinsame Gespräch, das Gefühl der Menschen dort und das persönliche Wiedersehen enorm wichtig. Leider habe ich nicht geschafft alle zu besuchen, jedoch stehe ich persönlich mit allen in permanentem Kontakt und Austausch.

Bei der kleinen „Rundreise“ durchs Ahrtal erfuhr ich ein Wechselbad der Gefühle. Glücksmomente folgten Tränen: Es war nahezu pures Glück liebgewonnen Freund zu sehen, wie sie lachen und sich der Situation annehmen und gleichzeitig nach so viel getaner Arbeit immer noch zu sehen, welches Leid, welche Not die Katastrophe hinterlassen hat. Auch in den Gesprächen kamen so viele Emotionen hoch – wir haben gemeinsam herzlich gelacht und haben zusammen geweint.

Viele der Erlebnisse und Bilder lassen mich nicht los! Die Frage, was und wie wir unterstützen können drängt sich auf! Dabei schmerzen mich zwei Momente enorm: Zum einen die fragenden Augen der betroffenen Kinder, die zutiefst in ihrer Seele getroffen wurden und auch die empfundene Perspektivenlosigkeit vieler Betroffener. Insbesondere auch für älterer Mitmensch im Ahrtal ist ein Wiederaufbau mit enormen Anstrengungen verbunden, insbesondere da oft keine Versicherung vorhanden ist, keine Bank Geld geben möchte, die eigenen Kinder selbst zutiefst durch die Katastrophe getroffen wurden und, und, und…

Sehr betroffen hat mich die Aussage eine Freundes im Ahrtal: „Vergesst uns nicht – hängt uns nicht ab!“ Ich kann dieses Gefühl nachempfinden, denn in den Medien scheint die Katastrophe kaum noch eine Schlagzeile wert und auch die Hilfsbereitschaft hat deutlich nachgelassen. Dies soll kein Vorwurf sein, denn nach dem ersten Aufräumen sind nun auch oft die nächsten Schritte nicht unmittelbar machbar… Auch werden vielerorts nun Fachleute, spezielle Handwerker, Gutachter etc. benötigt. Das Gefühl vergessen zu werden macht sich aber auch an anderen Stellen eben bemerkbar, so ist beispielsweise der kommunale Informationsfluss schwierig, es fehlt an direkten Ansprechpartnern im Ort und vor allem an einer schneller Beantwortung der Fragen wie es denn nun weiter gehe. So wissen viele noch nicht, ob und wie sie ihre Immobilie renovieren oder neu aufbauen können. Wie wird das Ganze finanziert. Zahlreiche Fragen bleiben offen. Und nach wie vor ist jeder Tag wieder eine auf das Neue improvisieren und organisieren.

Für mich persönlich steht fest, dass ich auch weiterhin meine Unterstützung in unterschiedlicher Form anbieten möchte. Denn bis wieder ein Stück Normalität einkehrt werden Monate noch vergehen. Die seelischen Narben werden wahrscheinlich nie ganz verheilen, daher ist es mir auch enorm wichtig die Freundschaften, die entstanden sind, auch über die Zeit des „Helfens“ weiter zu pflegen.

Meine Bitte: Unterstützen auch Sie weiterhin… Allein bei den 7 Hausständen sind die Schäden so enorm, dass jede Hilfe zählt. Insbesondere zur anstehenden Phase des Aufbaus werden Gelder benötigt, die wir direkt in die Familien fließen lassen können.

Allen Helferinnen und Helfern gilt mein ganz besonderer Dank! Ihr seid einfach phantastisch! Eure Arbeit ist Hoffnung und Zuversicht!

Allen Betroffenen und unseren Freunden im Ahrtal möchte ich zurufen: Verliert niemals die Zuversicht – gerne packen wir mit Euch an! Gerne sind wir auch weiterhin für Euch da! Auch wenn das Schicksal es hart meinte, so sind wir dankbar Menschen wie Euch kennengelernt haben zu dürfen! Gebt die Hoffnung nicht auf!

Herzlich
Patrick George, Ortsbürgermeister